Wenn Ihnen nachts das Atmen durch die Nase schwerfällt, sind Ihnen vermutlich schon Nasenpflaster oder kleine Dilatatoren begegnet, die in die Nasenlöcher eingesetzt werden. Sie versprechen eine freiere Nase, ruhigeren Schlaf und sogar mehr Leistung beim Sport. Manche dieser Versprechen haben eine reale Grundlage, andere nicht.
So lesen Sie die Zahlen: Fakt = eine Erkenntnis aus Forschung oder Biologie
gesamten Atemwegswiderstand
Stelle der Nasenhöhle
innere Dilatatoren
Die Nasenklappe: die engste Stelle der Nase
Die engste Stelle, die die eingeatmete Luft passieren muss, liegt direkt hinter dem Naseneingang und heißt Nasenklappe (innere Nasenklappe). Hier entsteht ein großer Teil des Widerstands, den die Nase dem Luftstrom entgegensetzt.
Die Seitenwände in diesem Bereich sind weich und nachgiebig. Bei kräftigem Einatmen können sie leicht nach innen gezogen werden und den Durchgang weiter verengen. Da der Widerstand schon bei geringer Verengung steigt, kann auch eine kleine Erweiterung spürbar sein.
Äußere Nasenpflaster
Ein äußeres Nasenpflaster ist ein Klebestreifen mit eingearbeiteten elastischen Stäbchen. Es wird quer über den Nasenrücken geklebt, knapp oberhalb der Nasenflügel. Die Stäbchen wollen in ihre gerade Form zurück, ziehen die Seitenwände der Nase sanft nach außen und verhindern, dass die Nasenklappe beim Einatmen einfällt.
Innere Dilatatoren
Innere Dilatatoren werden direkt in die Nasenlöcher eingesetzt und halten sie von innen offen. Es gibt mehrere Typen: Kegel oder Röhrchen aus weichem Silikon, Clips mit zwei durch einen Steg verbundenen Bügeln und magnetische Varianten, bei denen kleine, an der Nasenscheidewand haftende Magnete als Abstandhalter dienen. Auch bei magnetischen Varianten ist die Wirkung rein mechanisch – für den Magnetismus selbst ist kein Einfluss auf die Atmung belegt.
Innere Dilatatoren wirken vor allem auf den Naseneingang und den angrenzenden Teil der Nasenklappe. Sie reizen die Haut auf der Nase nicht, manche empfinden sie jedoch als unangenehmen Fremdkörper.
Nasenpflaster und Dilatatoren können die Nasenatmung erleichtern und bei manchen Menschen das Schnarchen dämpfen. Eine obstruktive Schlafapnoe behandeln sie jedoch nicht. Atemaussetzer im Schlaf oder ausgeprägte Tagesmüdigkeit gehören in ärztliche Hände.
Was die Forschung sagt
Luftstrom und Atemgefühl
Am besten belegt ist die mechanische Wirkung: Messungen zeigen, dass Pflaster und Dilatatoren den Querschnitt im Bereich der Nasenklappe vergrößern und den Nasenwiderstand senken. Am deutlichsten ist der Effekt bei Menschen, deren Nasenklappe beim Einatmen einfällt.
Schnarchen und Schlafqualität
Beim Schnarchen sind die Ergebnisse uneinheitlich. Kleine Studien deuten darauf hin, dass ein Teil der Menschen leiser schnarcht und den Schlaf als besser bewertet, während andere keine Veränderung bemerken – vor allem, wenn das Schnarchen im Rachen und nicht in der Nase entsteht.
Sport
Die Evidenz ist gemischt. Bei höherer Belastung atmen die meisten Menschen durch den Mund, und Studien fanden überwiegend keine Verbesserung der Sauerstoffaufnahme oder Ausdauer.
Schlafapnoe
Bei obstruktiver Schlafapnoe senken Nasenhilfen die Zahl der Atemaussetzer nicht wesentlich. Sie können manchen Menschen helfen, eine ärztlich verordnete Therapie besser zu vertragen, ersetzen sie aber nicht.
- Starke Evidenz Erweiterung des Bereichs der Nasenklappe und geringerer Nasenwiderstand – ein messbarer mechanischer Effekt von Pflastern und Dilatatoren.
- Mäßige Evidenz Subjektiv freiere Nasenatmung und ein besseres Schlafgefühl, besonders bei einfallender Nasenklappe.
- Schwache Evidenz Weniger Schnarchen nur bei einem Teil der Menschen; bessere sportliche Leistung – gemischte und überwiegend negative Ergebnisse.
- Keine Evidenz Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe, „magnetische“ Wirkungen und Gesundheitsversprechen jenseits der Nasenatmung selbst.
Kombination mit weiteren Maßnahmen
- Mund-Tape – manche kombinieren ein Nasenpflaster mit einem Klebeband für den Mund. Das ist nur sinnvoll, wenn Sie bequem durch die Nase atmen können. Einzelheiten und Risiken finden Sie im Artikel über das Mund-Tape.
- Nasenspülung mit Salzlösung – eine isotonische Lösung vor dem Schlafengehen entfernt Schleim und Staub. Verwenden Sie steriles, destilliertes oder abgekochtes Wasser, kein Leitungswasser.
- Allergiebehandlung – bei einer Allergie gegen Hausstaubmilben oder Pollen löst ein Pflaster nur einen Teil des Problems. Hilfreich sind weniger Allergene im Schlafzimmer und eine ärztlich empfohlene Behandlung.
Ein Pflaster oder Dilatator weitet den Naseneingang, beseitigt aber keine geschwollene Schleimhaut, keine Polypen und keine schiefe Nasenscheidewand.
Wenn die Ursache strukturell ist
Ist Ihre Nase dauerhaft verstopft, vor allem einseitig, oder helfen die Hilfsmittel kaum, kann eine strukturelle Ursache vorliegen. Dazu gehören eine verkrümmte Nasenscheidewand, Nasenpolypen, vergrößerte Nasenmuscheln oder Folgen einer alten Nasenverletzung. Dann ist eine Untersuchung beim HNO-Arzt der richtige Weg.
Wie Sie Nasenhilfen auswählen und anwenden
- Prüfen Sie zuerst, ob Ihnen eine Erweiterung der Nasenklappe hilft: Ziehen Sie die Wange neben der Nase mit einem Finger sanft zur Seite. Atmen Sie spürbar leichter, hat ein Hilfsmittel gute Chancen.
- Kleben Sie das Pflaster auf saubere, trockene Haut auf den weichen Teil der Nase knapp über den Nasenflügeln, nicht auf den knöchernen Teil weiter oben.
- Probieren Sie bei inneren Dilatatoren mehrere Größen und wählen Sie eine, die ohne Druck und Schmerz hält.
- Waschen Sie einen inneren Dilatator nach jeder Anwendung mit warmem Wasser und milder Seife, lassen Sie ihn trocknen und bewahren Sie ihn in einer sauberen Hülle auf. Teilen Sie ihn nicht und ersetzen Sie ihn laut Anleitung.
- Beurteilen Sie die Wirkung nach einigen Nächten daran, wie erholt Sie morgens sind.
- Warnsignal: Versprechen, Apnoe zu „heilen“, Schnarchen bei jedem zu beenden oder die Leistung wundersam zu steigern.
Wer vorsichtig sein sollte
- Menschen mit empfindlicher Haut oder Klebstoffallergie – Pflaster können Rötung, Juckreiz oder Hautabschürfungen verursachen. Bei Reizung setzen Sie sie ab.
- Menschen mit verletzter Haut auf der Nase – kleben Sie kein Pflaster auf Wunden, Ekzeme, Akne oder Haut nach einem Eingriff.
- Menschen mit Verdacht auf Schlafapnoe – lautes Schnarchen mit Atemaussetzern erfordert eine ärztliche Abklärung.
- Menschen mit häufigem Nasenbluten oder entzündetem Naseneingang – innere Dilatatoren können die Schleimhaut zusätzlich reizen.
- Kinder – bei verstopfter Nase sollte die Ursache zuerst kinderärztlich geklärt werden, etwa vergrößerte Rachenmandeln.
Fazit
Nasenpflaster und Dilatatoren sind einfache, sichere Hilfsmittel mit einer klaren mechanischen Wirkung: Sie weiten die Nasenklappe und erleichtern die Nasenatmung. Manchen bringen sie ruhigeren Schlaf, anderen nichts. Sie sind weder eine Behandlung der Schlafapnoe noch eine Garantie für mehr sportliche Leistung. Funktioniert Ihre Nase dauerhaft schlecht, sehen Sie das Hilfsmittel als vorübergehende Erleichterung und lassen Sie die Ursache beim HNO-Arzt abklären.